Chinesische Zwergwachteln [Excalfactoria chinensis]

Sie sind etwa so groß, dass man sie mit zwei Händen gut umfassen kann. Als reine Bodenbewohner suchen sie wie alle Hühner den ganzen Tag mit Kratzen und Scharren im Boden nach Sämereien und Insekten. Dabei scharren sie mehr mit dem Schnabel als mit ihren Beinen. Das Männchen ist durch seine dunklere Färbung mit bläulichem Bauchgefieder der rötlichen Brust und vor allem durch seine schwarz-weiße Gesichtsmaske gut vom einfarbig, braun gesprenkelten Weibchen zu unterscheiden. Die Größe der Gelege ist recht unterschiedlich und betrug bei meinen Wachtel maximal acht erbrütete Jungwachteln. Auch die Farbe der Eier reicht von blassgrün bis braun. Fast das ganze Jahr hindurch werden Eier gelegt und bei günstiger Witterung zumindest angebrütete. Für den Verzehr sind sie allerdings wohl kaum geeignet. Da die Chinesische Zwergwachtel schon mehr als 200 Jahre in Europa gezüchtet wird kann man sie sicher als domestiziert betrachten. Dabei sind bereits zahlreiche Farbschläge herausgezüchtet worden. Als unschön und nachteilig sehe ich persönlich dabei die Zucht eines maskenlosen Wachtelhahns. Zusammen mit der Farbveränderung ist er dann nicht mehr bzw. zumindest deutlich schwerer vom Weibchen zu unterscheiden. Helfen könnte in einem solchen Fall der Tipp den ich per Mail von Armin Kühne erhielt. Ich habe in sicherheitshalber unverändert übernommen.

".... Was aber ganz bestimmt nicht stimmt, ist Ihre Angabe, die Geschlechter wären farblich nicht mehr unterscheidbar. Alle Hähne ohne Maske haben weiterhin den typischen rot gefärbten Unterschwanz und sind daran auf den ersten Blick erkennbar. Man muss nur wissen, wo man hinschauen muss. Probleme bringen da nur Weiße und eventuell sehr helle Schecken."
Quelle des letzten Absatzes: Armin Kühne

Die Wachteln leben in verschiedenen Unterarten in den feuchten Graslandschaften von Südostchina, Indien, Indonesien bis Australien. Dort findet man bis Gebirge hinauf die ins hohe Gras gelaufenen Gänge der Wachtelfamilien. Offenes Gelände wird gemieden oder mit Maximalgeschwindigkeit durchquert. Solange etwas Deckung vorhanden ist bewegen sie sich sehr ruhig, nur mit einem leisen glucksen, durch das Revier. Von Zeit zu Zeit kann man jedoch einen Ruf vernehmen, den ich in der ersten Zeit eher einem Greifvogel zugeschrieben hätte zumal er äußerst laut war. Nach intensiveren Beobachtungen konnte ich dann sogar feststellen, dass sie diesen Ruf durch eine Art mehrmaliges, geräuschvolles, tiefes Durchatmen ankündigen und sie sich zusätzlich hoch aufrichten. Obwohl sie eher Laufvögel sind, können sie bei Gefahr auch einige Meter weit fliegen. Dieser Flug ist jedoch nicht zielgerichtet und so ist in niedrigen und kleinen Käfigen die Gefahr von Verletzungen recht groß. Kopfverletzungen in der Zoohandlung stammen aus diesem Grund selten von Mitbewohnern wie Zebrafink oder Kanarienvogel sondern von zu niedrigen Käfigen.
Als ich meinen Wachtelhahn aus dem Zoofachgeschäft holte, hatte er keine einzige Feder mehr. Das Weibchen hatte sie ihm wohl allesamt ausgerissen. 14 Tage lang setzte ich ihn in einen abgedeckten, hohen Käfig neben die Heizung und stellte zusätzlich noch einen Infrarotstrahler dazu. Mit etwas Mauserhilfe und gutem Futter, das heißt viel Salat, Grassamen, Fettfutter und Mehlwürmern sowie zusätzlichen Vitamingaben, kam er schnell wieder zu Kräften. Er wurde nie wieder gerupft. Federrupfen ist aus meiner Erfahrung ein Problem aus unausgewogener Ernährung und zu hohem Besatz bei zu wenig Versteckmöglichkeiten.

Bilder hier

Das Futter besteht in der Hauptsache aus Grassamen, Kleininsekten und verschiedenen Hirsesorten, bei Fertigmischungen am besten Exotenfutter. Ameiseneier, Mehlwürmer und das Fettfutter der Fa. Claus Typ I für Sonnenvögel werden ebenfalls gern angenommen. Wie die meisten Vögel sind sie auch ganz wild auf junge, frische Blätter und Triebe von Gräsern, allen möglichen Kräutern und vor allem Vogelmiere. Außerdem konnte ich auch feststellen, dass sie sehr gern im frisch eingebrachten oder aufgeharkten Kies der Innenvoliere bzw. Sand der Außenvoliere herumpicken.

Von allen meinen Vögel sind sie die eifrigsten Sonnenbader. Im Winter liegen sie mit ausgestreckten Beinen und abgespreizten Federn unter dem Keramik-Wärmestrahler und wenn es draußen wärmer geworden ist nutzen sie jeden Sonnenstrahl für Sand- oder Staubbäder in den sonnigsten Ecken der Voliere.

Wachteln sind, zumindest während der Brutzeit, monogam lebende Hühnervögel Der Wachtelhahn hat aber allem Anschein nach ein ausgesprochen gesteigertes Triebverhalten unter dem eine einzelne Henne, so sie nicht weit genug ausweichen kann, oft sehr zu leiden hat. Das kann häufig sogar zum Tot der Henne führen. Jede weitere Henne schafft deutliche Entspannung für ihre Mitbewohnerin. Aber aufgepasst! Setzt man eine Henne nachträglich zu einem vorhandenen Pärchen kann es zwischen den Weibchen zu erbitterten Auseinandersetzungen kommen! Also in den ersten Tagen mehr beobachten und vielleicht das angestammte Weibchen über Nacht isolieren um den Neuzugang zu unterstützen. Ich halte zur Zeit 1,2 Wachtel auf ca. 20 m² mit vielen Versteckmöglichkeiten davon ca. 8 m² Wiese mit fast kniehohem Gras. Das scheint schon zu reichen. Nachdem die zweite Wachtelhenne für Entspannung sorgte, konnte das andere Weibchen brüten. Die acht Eier legte es zuerst auf dem nackten Ziegelboden der Innenvoliere unter einen Haufen Kiefernzweige. Nach drei Wochen schlüpften zwei voll entwickelte Küken. Schon nach ein paar Minuten liefen sie umher. Ich hatte mich und die Voliere auf die zu erwartenden Babywachteln vorbereitet. Zum ersten dürfen die Jungtiere nicht in die Vogeltränke fallen. Die Küken sind so groß wie eine Hummel mit winzigen Hühnerbeinen und würden in dem Wassernapf sofort ertrinken. Das zweite ist das Futter. Fettfutter, zerkleinertes Kükenaufzuchtsfutter, mit Vitakalk versetzte aufgetaute Pinkies und Ameiseneier (vom Züchterbedarf zuschicken lassen) sowie Eifutter mit Multisanostol oder ein paar Tropfen Vitakomplex V vermischt und nach vier, fünf Tagen zerhackte Vogelmiere. So war's gedacht. Es kam aber etwas anders [Zuchttagebuch]. Der Wachtelnachwuchs wurde ca. 10 Tage von beiden Elternteilen gehudert und bei der Futtersuche begleitet. Danach begannen die Hennen ein neues Gelege zu bebrüten und der Hahn kümmerte sich allein um den Nachwuchs.

Damit ich nicht aus versehen meine Zuchtwachteln verkaufe, musste ich meine Wachteln beringen. Das lief beim ersten mal allerdings etwas anders als üblicherweise bei den Nesthockern. Ab ca. 6 bis 8 Wochen wurden die Wachteln mit offenen Ringen gekennzeichnet. Dazu habe ich mir einen Ringlöffel und farbige 3- und 4mm Celluringe in 10-er Abpackungen besorgt. Zum anbringen zieht man den Ring über den Aufziehlöffel um ihn zu öffnen. In die Öffnung legt man das Vogelbein (mit Vogel daran) und zieht den Löffel vorsichtig wieder heraus. Dabei schließt sich der Ring wieder, wenn man es richtig gemacht hat. Fertig. Das lustigste ist das Einfangen in der dicht bewachsenen Voliere ohne eine Massenhysterie auszulösen und irgendwen oder -was zu zertrampeln. 

Mein Zuchttagebuch



Datum

EintragBemerkung
11.Juni 2001Nachdem eine Henne seit drei Wochen im Schutzraum unter Kiefernzweigen gebrütet hat sind heute zwei Junge geschlüpft.Futter unter die Zweige gestreut, Deckel einer Nesquikdose als Tränke aufgestellt
12.Juni 2001Beide Jungwachteln liegen mit zertrümmerten Kopf im SchutzhausGeneralreinigung, mehr Zweige, Beerdigung
01.Juli 2001Die Wachtelhennen waren seit einer Ewigkeit nicht mehr zu sehen oder zu hören. Tot? Der Hahn ruft jeden Früh und Abend aber niemand antwortet.Das Gras ist kniehoch. Ich lasse es wachsen.
07.Juli 2001Ein einzelnes leises piepsen im Gras.Futter ausstreuen
08.Juli 2001
Tag 2
Wachtelhenne nimmt das ausgestreute Futter an. Unter den Flügeln versteckt sich ein einzelnes Jungtier. Die Deckung der Lebensbäume oder des Grases wird nicht mehr verlassen. Das Junge folgt ständig der Mutter.T.max. 25°C T.min. 13°C am Tag
15.Juli 2001
Tag 1/8
Die zweite Wachtel ist mit ca. acht Jungen aufgetaucht. Der Wachtelhahn betreut auch ein paar der Jungen. Alle passen nicht unter eine Henne. Sie müssen ständig gehudert werden.
Wenn der Wachtelhahn ruft antworten sofort beide Hennen, jedoch etwas leiser. Das Junge der vorigen Woche ist wohl auf. Man sieht auch einen geringen Größenunterschied zu den acht Neugeschlüpften..
T.max. 19°C, T.min. 13°C.
Es regnet den ganzen Tag, kein Wind
Eifutter, Grassamen und Fettfutter wird ausgestreut. Deckel mit Wasser aufstellen.
16.Juli 2001
Tag 2/9
Heute habe ich neun Junge gezählt. Es sind also nicht weniger geworden. Gut! Es gibt auch erstmals Pinkies und weiße Mehlwürmer. Selbst die Allerkleinsten versuchen die Würmchen aufzufressen. Die Mehlwürmer sind im Verhältnis zu den Wachteljungen riesig. Die beiden Alttiere helfen beim zerteilen der Beute.T.max. 14°C, T.min. 11°C. Es regnet ohne Pause, kein Wind

 

17.Juli 2001
Tag 3/10
Erster Sonnentag für die Jüngsten. Alle genießen den Tag mit eifrigen Sonnenbaden. Die Deckung des Gases wird kaum verlassenT.max. 25°C, T.min. 10°C
geringe Bewölkung, schwacher Wind
18.Juli 2001
Tag 4/11
Ich füttere jetzt jeden Tag Pinkies. Ich hatte sie mir tiefgefroren mit der Post zuschicken lassen. Sie werden gut angenommen und vertragen. Genauso wie die Ameiseneiner (auch tiefgefroren), die ich nach dem Auftauen mit Vitakalk bestreue.  Dazu gibt es noch ein Gemisch aus Eifutter, Grassamen, Hirsemischung, Fettfutter der Sonnenvögel, weiße Mehlwürmer, Vitakalk und ein paar Tropfen Vitaminkonzentrat. Das Erstgeborene ist nun ca. 14 Tage alt und hat, bis auf den Kopf, schon komplett Federn. Die zweit Brut zeigt schon Federn an den Flügeln.T.max. 25°C, T.min. 13°C
geringe Bewölkung, schwacher Wind, kein Niederschlag
21.Juli 2001
Tag 7/14
Die Jungen werden von Tag zu Tag aktiver. Man kann sie auch ab und zu im Gras erkennen wenn sie ein Sonnenbad nehmen.Wetter wie Vortag.
Von etwa 10 bis 17 Uhr scheint die Sonne auf den Volierenboden. Dort herrschen ca. 35 °C in der Sonne und um 26 °C im Gras.
22.Juli 2001
Tag 8/15
Ich habe vorsichtig das Gras in der Voliere gegossen. In ihrer Heimat leben sie schließlich auch in Feuchtwiesen. Bei den hohen Temperaturen in der Voliere ist das sicher nicht schlechtT.max. 28°C, T.min. 14°C
geringe Bewölkung, schwacher Wind
23.Juli 2001
Tag 9/16
Heute Nachmittag konnte ich die Wachteln das erste mal auf der Freifläche beobachten. Sie sind äußerst scheu. bei der geringsten Beunruhigung schießen die jungen Wachtel wie kleine Murmeln zurück ins sichere Gras. Aber sie sind alle noch da. 10 Jungwachteln. Das nun ca. 16 oder 17 Tage alte Wachtelküken ist schon recht ordentlich gewachsen und gut von Eltern und den jüngeren Halbgeschwistern zu unterscheiden.T.max. 31°C, T.min. 17°C
geringe Bewölkung, schwacher Wind
24.Juli 2001
Tag 10/17
Ich konnte heute Abend auch wieder alle Wachtel auf Futtersuche außerhalb der Grasfläche beobachten. Sie fressen bereits die Hirse der Kanarienvögel. Sie sind aber immer noch ganz scheu.
Futter gibt es jetzt in flachen Schalen an einer geschützten Stelle im Gras. Morgens Pinkies und am Nachmittag, wenn sie alle fein aufgefressen haben, Ameiseneier mit Vitakalk. Dazu immer Eifutter, Hirse und Grassamen.
Das Gras wird weiter regelmäßig leicht gegossen.
T.max. 32°C, T.min. 17°C
geringe Bewölkung, schwacher Wind
In der Sonne steigt die Mittagstemperatur auf bis zu 50°C. Im Gras bleibt sie bei ca. 26°C.
25.Juli 2001
Tag 11/18
Sie wachsen und gedeihen. So langsam kommen bei allen die Federn durch. Welche Männchen und welche Weibchen werden kann ich noch nicht erkennen. Wenn sie auf Futtersuche außerhalb des schützenden Grases sind hört man jetzt oft ihren typischen Kontaktruf auch von den Jungwachteln.Wetterwerte wie gestern.
26.Juli 2001
Tag 12/19
Sie bekommen ab heute zusätzlich Mehlwürmer und Hirse. Alles wird restlos gefressen. Immer öfter sieht man sie im deckungslosen Volierenbereich. Die Alttiere waren auch das erste Mal seit Brutbeginn wieder im Schutzraum. Die Jungwachteln konnten allerdings noch nicht folgen.
Eine Jungwachtel ist heute auch zum ersten Mal ein Stück geflogen.
T.max. 33°C, T.min. 15°C
Wolkenlos, kein Wind
27.Juli 2001
Tag 13/20
Tag 14611
Sie sind schon früh auf Futtersuche. Ich muss die täglichen Futtermengen erhöhen. Vom Vortag ist alles verbraucht. Das Gras wird weiterhin regelmäßig gegossen.T.max. 33°C, T.min. 15°C
Wolkenlos, kein Wind
31.07.2001
Tag 17/24
Die letzten Tage wurden die Jungen immer zutraulicher und verließen immer öfter die Deckung. Nach nunmehr über 3 Wochen ist der Größenunterschied der erstgeborenen Wachtel zu ihren Eltern nur noch sehr geringT.max. 35°C, T.min. 16°C
geringe Bewölkung, geringer Wind. Erster geringer Niederschlag seit 14 Tagen
06.08.2001
Tag 23/30
Ich war ein paar Tage im Urlaub. Die Jungen sind aber schon sehr weit entwickelt und haben die Betreuung durch einen Freund von mir gut überstanden. Es hat vor zwei Tagen auch erstmals wieder ergiebig geregnet. Es werden jetzt häufiger Mehlwürmer genommen. Bei zwei Jungwachteln konnte ich auch Ansätze einer Gesichtsmaske erkennen. Im sonstigen Federkleid unterscheiden sie sich nicht voneinander.T.max. 25°C, T.min. 14°C
wechselnde Bewölkung, ab und zu ergiebiger Regen
12.08.2001
Tag 29/36
Nach Sonnenuntergang erscheinen 11 Wachteln an der Tränke. Ein Größenunterschied ist kaum noch zu erkennen. Der alte Hahn hat ein farbigeres Gefieder, die zwei Junghähne sind nur an den Gesichtsmasken zu erkennen. T.max. 25°C, T.min. 16°C
leichte Bewölkung, kein Niederschlag
13.08.2001
Tag 30/37/1
Beim füttern fand ich eine völlig zerhackte Jungwachtel auf dem Ausflugbrett der Innenvoliere. Ich bin mir jetzt ganz sicher, das war der Rote Kardinal und ich bin mir jetzt ebenfalls sicher, dass auf sein Konto noch mindestens zwei weitere Jungwachteln gehen. Wahrscheinlich hat er sie für Hummeln gehalten. Ich will es für ihn hoffen.
Es gibt aber noch mehr Nachwuchs. Eine Wachtelhenne konnte ich mit mindestens fünf Jungtieren beobachten. Auf ein Neues.
Langsam muss ich mir über die Beringung Gedanken machen.
T.max. 33°C, T.min. 17°C
wolkenlos, kein Niederschlag
19.08.2001
Tag 36/43/7
Die Wachteln sind beringt. Insgesamt hatte ich 3 Hähne und  6 Hennen. Zwei Hennen haben schon ein neues Zuhause gefunden.T.max. 27°C, T.min. 22°C
erste geringe Niederschläge seit ca. 14 Tagen

Zuchttagebuch geschlossen am 19. August 2001. Mit einem solch guten Ergebnis meiner ersten Wachtelzucht hatte ich nicht gerechnet.