Volierenbau
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1.1 Die Voliere

1.1.1 Vorgedanken

Vorbereitung ist alles. Deshalb nahm ich mir dafür etwas mehr Zeit. Zuerst besichtigte ich die Bauten anderer Vogelzüchter. Einige hatten ihre Volieren speziell für die Zucht ausgerichtet. Nur so groß wie nötig und irgendwo in einer versteckten Ecke des Grundstückes. Ich hatte mir zum Ziel gesetzt, die Voliere so groß wie möglich zu bauen und so in das Grundstück zu setzen, dass sie sowohl den Vögeln einen optimalen Lebensraum als auch Blickfang für uns ergibt. Man sollte auch daran denken, dass derartige Bauten oft einer Genehmigung durch das örtliche Bauamt bedürfen.

1.1.2 Bau der Voliere

Da wieder Finken die Voliere bewohnen sollten, die anders als Papageienvögel, nicht am Holz oder dem Draht herumknabbern,  konnte sie aus imprägniertem und farbbehandeltem bzw. lasiertem Holz gebaut werden. Der Bau selbst begann zügig. Von einem alterschwachen Obstbaum, der eigentlich gerodet werden sollte, ließ ich einen 2,20 m hohen Stumpf als Landeplatz, Kletterbaum, Singwarte und Nistkastenhalter stehen. Drumherum entstand die Voliere. An Nord- und Westseite durch Gebäude geschützt, wurde sie im Durchschnitt 6,50 m lang, 2,30 m tief und auf Grund der Dachschräge durchschnittlich 2,70 m hoch.

Komplettansicht. Das grüne Maschendraht ist kaum zu sehen.    Zierbohnen mit großen roten Blüten sehen nicht nur schön aus.    Innenansicht

Als Fundament betonierte ich 30 cm hohe Rasenkantensteine ein und ließ sie nur ca. 5 bis 10 cm aus dem Boden ragen. Darauf setze ich gehobelte 34 x 54 mm starke Holzleisten aus dem Baumarkt, die ich mehrmals mit Holzimprägnierung und Lasur behandelt hatte. Flach auf die Rasenkantensteine aufgelegt schraubte ich an der Unterseite immer wechselseitig alle 50 cm 2 x 2 cm breite verzinkte Bauwinkel. Im Bild unten gut zu erkennen.

Eckkonstruktion Aufgesetzte Voliewevoll begrünte Voliere im Hochsommer

Mit ihrer Hilfe steckte ich die Grundleiste recht straff auf die Rasenkantensteine. Was nicht fest verbunden ist, kann bei Frost oder anderer Bewegung nicht reißen. Durch die 2 mm starken Bauwinkel ergab es sich, dass das Holz nicht auf den Betonsteinen aufliegt und dadurch auch keine Feuchtigkeit ziehen bzw. halten kann. Auf diese Unterlage verschraubte ich mit den selben Bauwinkeln die selben Hölzer (34 x 54 x 2,40 m Länge) in jeweils 1 m Abstand (Maschendrahtbahnenbreite). Da die Rückseite eine Hauswand ist, baute ich hier nur noch ein Gestell aus 100 x 100 mm Kanthölzern. Lings, rechts und in der Mitte ein Pfosten auf einem Betonsockel, obendrauf noch einen quer. Von hier aus legte ich dann ebenfalls die schon beschriebenen 34 x 54 mm Hölzer

vordere Auflage der Dachträger (außenansicht)Innenansichtvordere Auflage der Dachträger (innenansicht)

und verschraubte sie der besseren Statik wegen hochkant. Auch diese Dachleisten verlegte ich in 1 m Abstand passgerecht und rechtwinklich zu den Leisten der Frontseite. Wer die Fotos sieht, wird feststellen. dass zwischen den Hölzern immer etwas Platz ist. Das liegt nicht daran, dass ich nicht richtig messen kann, sonder an dem Gedanken das Holz arbeitet und daran , dass zwischen zwei eng anliegenden Hölzern ein Feuchtigkeitsstau entsteht, der die Ansiedlung von Fäulnispilzen fördert. Mit etwas Platz trocknet das Holz schneller und die Vögel können trotzdem nicht entweichen. Jetzt konnte ich von hinten beginnend den 1 m breiten, mit grünem PVC beschichteten Maschendraht verlegen. Eine 5 m Rolle aus dem Baumarkt reicht genau für eine Bahn. 2,40 m vom Dach; 2,40 m Fronthöhe plus 8 cm aus der oberen Dachleistenauflage. Es gibt wohl auch 25 m Rollen. Im Baumarkt kann man sie Bestellen. Mit etwas Mühe bekommt man sie auch übers Internet vom Heimtierbedarf oder direkt vom Hersteller. Damit kann man unter Umständen deutlich sparen und die Voliere gleich noch einen Meter größer bauen. Als Maschenweite hatte ich das 19 mm weite, punktgeschweißte quadratische Format gewählt. Grüne Plastikummantelung vor allem weil verzinktes Draht das Licht wie ein Vorhang reflektiert und dadurch die Beobachtung der Vögel erschwert. Außerdem sieht's billig und hässlich aus. Das wollte ich nicht. 

Man sollte sich allerdings die Mühe machen, den Draht mit guten verzinkten oder Edelstahlkrampen zu befestigen und nicht einfach nur antackern. Das hält auf die Dauer nicht. 

Das einzige, was der Voliere dann noch fehlt, ist eine teilweise Überdachung. Hierfür besorgte ich mir im Baumarkt klare, gewellte PVC-Platten (2,50 x.1,12 m). Diese montierte ich zuerst am Boden auf gehobelte Leisten 3,40 x 3,40 cm, passend zu den schon verbauten Hölzern, auch genau so imprägniert. Die Abstände zwischen den Leisten wählte ich wegen der geringen Dachneigung recht eng, maximal 50 cm. Das fertige Dach wurde dann mit Hilfe einiger Freunde auf die Voliere geschoben. Von unten  wurde es mit kurzen vorgebohrten Hölzern  5,40 x 3,40 cm durch das Maschendraht fest verschraubt. Damit der Maschendraht nicht belastet wird, kamen wiederum lange Schrauben durch die längs verlaufenden Dachleisten.

Verbindung - Dach - LängsträgerHintere Auflagevordere Auflage im Bereich der Tür

So entstand eine ansehnliche und stabile Konstruktion. Eine kleine Dachrinne mit Abfluss hatte ich zuvor schon an der Voliere befestigt. Dafür musste ich noch die meiste Denk- und Rechenarbeit aufbringen. Damit das Wasser vom Dach bei Wind nicht gleich an  bzw. in die Voliere drückt, ließ ich das Dach in voller Länge und damit 10 cm überstehen und setzte die Dachrinne direkt daran.  

Die Voliere steht seit mehr als drei Jahren. Nacharbeiten waren bisher noch nicht nötig, bis auf die Sache mit dem angetackerten Maschendraht. Ich hoffe, dass das so bleibt.   

Nachdem ich im Außenbereich einigermaßen fertig war, machte ich mich daran, einen Winter- (Schutz)raum einzurichten. Hauptziel war ein trockener, heller, frostfreier Raum. Da ich dafür einen ehemaligen Stall umbaute war es sehr wichtig, dass die Wände möglichst glatt und ohne Spalten und Risse sind in denen sich Ungeziefer einnisten kann. Alle Wände wurden darum glatt geputzt oder mit Feuchtraumgipskartonplatten verkleidet, Fugen wurden mit Silikon abgedichtet. Sowohl Milben als auch Mäuse sollten keine Chance haben. Im Dachbereich wurde eine Isolierung mit Mineralwollplatten eingebracht. Von oben nach unter baute sich das Dach nun wie folgt auf. Dachschindeln, Bretter, Dampfsperrfolie, Mineralwolle, Dampfsperrfolie, Feuchtraumgipskarton, Kreideanstrich. 

Für zusätzliches Licht sorge ich mit Hilfe zweier 40 Watt Leuchtstofflampen aus dem Zoofachhandel. Ich nahm dafür spezielle Leuchtstofflampen für Reptilien und Vögel. Die gibt es von den verschiedensten Herstellern. Zur Zeit ist die Arcadia Birdlamp zu empfehlen. Dazu habe ich mir bei Futterkonzept ein Elektronische Vorschaltgerät (EVG) besorg. Es übernimmt alle Starterfunktionen für einen schnelleren Start und erhöht dadurch die Lebensdauer der teuren Leuchtstoffröhren. Außerdem verhindert es das Wechselstrom bedingte 50 Hz-Flimmern der Röhren. Der Mensch kann diese Schaltung nicht mehr wahrnehmen, Vögel haben jedoch eine vielfach feineres Wahrnehmungsvermögen. Wenn wir Kopfschmerzen bekommen weil wir stundenlang vor einem Bildschirm sitzen der mit 50 Hz Bildwiderhohlfrequenz betrieben wird, wie soll es dann erst unseren Piepmätzen ergehen?
Zusätzlich habe ich in einem Schaltkasten außerhalb des Schutzraumes eine Zeitschaltuhr eingebaut (sieht aus wie ein Sicherungsautomat mit LCD-Display, kostet aber um die 32€). Sie regelt die Ein- und Ausschaltzeit und damit die Beleuchtungsdauer. Ein Nachtlicht mit 7,5 Watt und einem eingebauten Dämmerungsschalter verhindert bei nächtlichen Störungen Katastrophen durch wild umher fliegende Vögel. Da alle Wände weiß gekalkt sind, ergibt es einen sehr hellen Raum. 

An besonders kalten Wintertagen schalte ich Viertelstundenweise mit Hilfe einer billigen mechanischen Schaltuhr einen 250 Watt Keramikdunkelstrahler zu. Hier finden meine Wachteln den richtigen Platz, um sich zu wärmen und zu putzen. Es macht mir besonderen Spaß ihnen dabei zuzusehen da es ihnen in dem warmen Strahlkegel offensichtlich sehr angenehm ist. Vögel gewöhnen sich sehr schnell an regelmäßige Zeiten und so saßen sie nach ein paar Tagen schon einige Minuten vor der Schaltphase im vermeintlichen Wärmekegel und begannen mit der Gefiederpflege. Zusätzlich habe ich in diesem Jahr wieder einen Halogenstrahler installiert. Er wurde mit dem nötigen Sicherheitsabstand zur Decke fest an der Wand montiert und wird mit einer zweiten fest eingebauten Zeitschaltuhr gesteuert. Vier mal am Tag strahlt nun Wärme und Licht für 20 Minuten auf einige davor, in unterschiedlichem Abstand, angebrachte Äste. Besonders nach einer kalten und nassen Nacht werden hier gern "Sonne" und Wärme getankt.

Der Bodenbelag im Schutzraum besteht aus Backsteinpflaster, auf das bis zur Mitte des Raumes Rindenmulch aufgebracht wird. Im Außenbereich besteht er im ersten, überdachten Drittel aus Sand vom Baumarkt. Er wird regelmäßig abgekehrt. Futterreste und Kot werden damit entsorgt. Die restlichen zwei Drittel sind bepflanzt und Gras wurde angesät. Hier ist die Reinigung deutlich problematischer da Bakterien und Keime in tiefere Bodenschichten ausgewaschen werden. Im letzten Frühjahr, also nach zwei Jahren Benutzung, habe ich lediglich 100 Liter teure und hoffentlich hochwertigere Blumenerde aufgebracht. Ich hoffe, dadurch nur alle drei oder vier Jahre den Boden tiefgründig austauschen zu müssen. 

Meine Voliere hat nach Fertigstellung ein Volumen von über 50 m3. Mehr ist auf unserem Grundstück nicht möglich wenn noch Platz für die Kinder und den Grill übrig bleiben soll. Ich halte als Stammbesatz fünfzehn Tiere von denen die zwei Papstfinken, Grauedelsänger und die zwei Blauschnäpper nur als Sommergäste draußen wohnen. Dazu kommen vom Juni bis ca. Jahresende noch einmal zehn bis fünfzehn Jungtiere aus eigener Nachzucht. Da ist für mich schon die Schmerzgrenze erreicht. Denkt man an die Mengen an Futter die auch wieder ausgeschieden werden müssen sollte man lieber eine kleine, aber feine Vogelschar halten. Gesunde, stressfreie und sich natürlich verhaltende Vögel und ein üppiger, kaum durch Kot verunreinigter Bewuchs sind mir mehr wert. Wer es genau wissen will, kann sich die Empfehlungen des BNA zu Gemüte führen. 

Noch ein Tipp. Vögel setzen ihren Kot in der Hauptsache vor dem Abflug und an ihren Lieblingssitzplätzen ab.
Die richtige Wahl dieser Plätze und der richtige, d.h. leicht zu reinigende Untergrund verhindern bzw. erschweren eine Massenvermehrung von gefährlichen Keimen im Boden beträchtlich. 


Noch mehr Anregungen zu Bau einer Voliere aus dem Web findet ihr bei Kai Alexander Quante oder Familie Gruber .


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Sonntag, 22. Januar 2006